Auftaktworkshop “EIN Afrika gibt es NICHT!”

So lautet der Titel eines aktuellen Projekts des Deutsch-Afrikanischen Zentrums (DAZ) in Bonn. Denn „ein ausgewogenes und differenziertes Bild Afrikas zu vermitteln“ und „eine Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe anzustreben“ sind Themen die schon bei der Gründung vom DAZ im Mittelpunkt standen. So erklärte der Vorstandsvorsitzende Césaire Beyel die Motivation für das Projekt, dessen Auftaktworkshop am Samstag, den 12. Juli, in Bonn stattfand. Das DAZ realisiert dieses Projekt in Kooperation mit Partnerorganisationen wie Neema International, der Deutsch-Kamerunischen Gesellschaft, dem Afrikanischen Dachverband NRW und anderen. Finanziell unterstützt wird es von der Stadt Bonn. Der Workshop sollte die Grundlage für die inhaltliche Gestaltung legen und als Anstoß zur Umsetzung dienen.

Am Beispiel der letzten Fußball-WM konnte man die Problematik sehr gut erkennen. Ob es um die Kameruner ging oder um Spieler aus Nigeria oder Algerien, Journalisten wählten die Formulierung „die Afrikaner …“. Man könnte sich nicht vorstellen, dass die gleichen Journalisten bei den Franzosen oder den Spaniern oder gar den Deutschen von „den Europäern“ sprechen würden. Die Teilnehmer bildeten eine gemischte und interdisziplinäre Gruppe mit Teilnehmern aus verschiedenen afrikanischen Ländern und Deutschland sowie mit Erfahrungen aus verschieden Fachgebieten: darunter waren Journalisten, Architekten, Ingenieure, Sozialwissenschaftler, Kulturwissenschaftler, Künstler, Menschen mit Erfahrung aus der Entwicklungszusammenarbeit etc. Jeder brachte die eigene Perspektive und Erfahrung in die Gespräche und genau das war erwünscht. Es sollten möglichst viele Facetten der Fragestellung thematisiert werden. Ein Ziel des Projekts ist es, das Bewusstsein für die Thematik zu schärfen und auch die Bilder und Sprache der eigenen Vereinsarbeit anzupassen. Es gibt nicht das EINE Bild von Afrika, wie es auch nicht das EINE Bild von Europa gibt. Afrika ist ein Kontinent mit 54 Staaten, mit verschiedenen Gesichtern, Kulturen, Religionen, Sprachen, geografischen Räumen, Klimazonen, geschichtlichen und kulturellen Hintergründen, Literatur, Kunsträume und Festivals usw.

Wie kann man diese große Vielfalt erfassen und ausdrücken? Wie kann man sie am besten und am passendsten darstellen, ohne in einseitige und verfälschende Verallgemeinerungen zu verfallen? Und wie ist das eigentlich mit den Vorurteilen? Was kann man dagegen tun? Mit diesen und anderen Fragen EIN Afrika gibt es nicht, Flyerhaben sich die Teilnehmer auseinandergesetzt. Um Situationen und das Umfeld schnell einschätzen zu können haben wir Menschen seit Urzeiten eine selektive Wahrnehmung. Stereotypen sind also Komplexitäts-Reduzierungen. Um ihnen entgegen zu wirken müssen wir uns diesem Mechanismus des „Schubladendenkens“ bewusst werden, wie Dr. Michael Schmiedel in seinem Vortrag erläuterte. In der Arbeitsphase des Workshops haben die Teilnehmer an Thementischen im „World Café“ drei Themen ausführlicher bearbeitet: „Vielfalt“, „Stereotypen“ und „Bildliche Umsetzung“. Damit hat der Workshop einen ersten Grundstein für die Ausgestaltung der weiteren Arbeit gelegt. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen dienen dem Team vom DAZ und der Projektgruppe für die nächsten Schritte des Projekts bis zum Endergebnis. Geplant ist unter anderem die Ausgestaltung einer Ausstellung zum Thema. Wir dürfen also gespannt sein auf die Ergebnisse dieses interessanten Projekts. Weitere Interessenten am Thema sind herzlich willkommen mit dem DAZ in Kontakt zu treten.

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